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am 3. November 2014

Monitoringausschuss: Politische Teilhabe ist mehr als wählen gehen

GRÜNE Salzburg - Ein Gastbeitrag von Selbstvertreter Erich Girlek

Hallo mein Name ist Erich Girlek und für mich ist das Thema 

der ​heutigen Sitzung des Monitoringausschuss* immer sehr wichtig gewesen.


Sehr wichtig finde ich die politische Teilhabe.

Bei einer Tagung in Graz, wo es um Poltische Teilhabe 

für Menschen mit Behinderungen gegangen ist, habe ich gesagt: 

Politische Teilhabe heißt für mich nicht nur, dass 

Menschen mit Lernschwierigkeiten wählen gehen dürfen.

Es heißt, dass wir bei Entscheidungen, die uns betreffen, mitbestimmen! 

Nichts über uns oder ohne uns!


Zum Beispiel: Wenn Gesetze gemacht werden.


Und ich sage immer dazu: 

Es ist nicht freiwillig, dass wir mitbestimmen dürfen, 

es ist unser Recht!

Aber es reicht nicht, dass wir nur sagen, es ist unser Recht. 

Darum möchte ich sagen, was politische Partizipation 

(oder politische Teilhabe ist für mich leichter) bedeutet. 


Bei politischer Teilhabe geht es darum, dass Experten

in eigener Sache schon am Anfang gefragt werden, 

wenn es um Verbesserungen oder um Neugestaltungen geht

und nicht immer nur die Fachexperten.


Und der 2. Punkt ist dann: Wenn man Menschen mit Lernschwierigkeiten 

um ihre Meinung fragt, dann muss man ihre Meinung auch ernst nehmen. 

​Das steht auch in der UN-Konvention.


Und ich meine auch, unsere Meinung soll nicht nur kurz abgefragt werden.

Ich bin dafür, dass Arbeitsgruppen als Sitzungen ohne Hindernisse gemacht werden. 

Also die Sitzungen sollen so gemacht werden, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten 

wirklich auf Augenhöhe mitarbeiten können. 

Dafür muss man gut überlegen wie. 


Und es gibt auch Tipps dafür. 

Zum Beispiel: Leichte Sprache verwenden. Rechtzeitig Vorbereitungs-Materialien ausschicken. 

Mitzeichnen. Zusammenfassungen in leichter Sprache machen. Und so weiter.


Und es ist immer noch so: 

Die größte Barriere bei der Poltischen Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten 

sind die Barrieren in den Köpfen der Menschen.

Sei es, dass meistens in schwerer Sprache gesprochen wird 

oder sei es, dass manche glauben, dass wir viele Dinge nicht verstehen würden.


Ich habe mir auch etwas zu der Frage: Was muss ich tun, damit ich bei Gesprächen über wichtige 

Themen mitreden kann, überlegt.


Ich und auch andere Selbstvertreter haben gemerkt, 

dass wir bei manchen Gesprächen über wichtige Themen die Ampelkarte benutzen sollten. 

Damit traut man sich leichter zu sagen, wenn man noch eine Frage hat. 

Oder die Moderatoren oder Redner merken leichter, wenn das Tempo nicht passt, 

wenn sie die rote oder gelbe Karte sehen. 

Aber ich habe auch bemerkt, dass viele Selbstvertreter und Selbstvertreterinnen 

aus Angst die Ampelkarten nicht benutzen.

Mir geht es oft genauso. 

Weil wenn man die Ampelkarte benutzt, dann zeigt man den Anderen, 

dass man etwas nicht verstanden hat. 

Dann benutzen wir lieber nicht die Ampelkarten, auch wenn wir uns nachher darüber ärgern. 

Wenn man Sitzungen ohne Hindernisse macht, 

dann sollte man diese Ampelkarten auflegen lassen.

Und der Moderator oder die Moderatorin sollten am Anfang der Sitzung sagen, dass die Ampelkarten 

für alle aufliegen. 

Und auch sagen, wozu diese Ampelkarten da sind. 

Sie sollten alle Personen bestärken sie zu benutzen.


Ich habe auch überlegt: Welche guten Beispiele gibt es, wo Partizipation funktioniert?

Das beste Beispiel für mich, wo Partizipation sehr gut funktioniert, ist der Monitoring-Ausschuss. 

Da können alle Menschen mit Behinderungen sagen, was sie sich denken. 

Was mich beeindruckt ist die Vorsitzende des Ausschusses, Marianne Schulze. 

Sie schaut immer, dass das was gesagt wird, in einer Sprache ist, die Menschen mit 

Lernschwierigkeiten gut verstehen.

Beim Monitoring Ausschuss muss man als Selbstvertreter nicht 5-mal Leichte Sprache fordern 

und es hilft eh nichts. 

Sondern wenn jemand immer wieder in schwerer Sprache redet, 

weist ihn die Vorsitzende auch zurecht. 

Wir haben oft sehr viel Verständnis, wenn jemand die Leichte Sprache noch trainieren muss, 

aber es ist gut, dass man sich beim Monitoring Ausschuss die Leichte Sprache nicht immer selbst 

erkämpfen muss.

Danke.


* Der Monitoringausschuss hat sich auf der Grundlage des § 13 des Bundes­behindertengesetzes konstituiert.

Er ist ein unabhängiger Ausschuss, der die Einhaltung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen durch die öffentliche Verwaltung für den Bereich der Bundeskompetenz überwacht (Verwaltung des Bundes).

Er bezieht sich dabei auf die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Hier finden Sie mehr Information zur UN-Konvention und den Originaltext, das Leitbild und die Geschäftsordnung des Monitoringausschusses.

Im Monitorinausschuss vom 30.10.2014 ging es um das Thema "Partizipation von Menschen mit Behinderungen". 


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