gruene.at
Navigation:
am 12. Mai 2014

Gefährliche Luftverschmutzung in Stadt und Land Salzburg

Astrid Rössler - 40 Prozent der SalzburgerInnen sind von gesundheitsgefährdender Luftverschmutzung betroffen. LH-Stv.in Astrid Rössler und SR Johann Padutsch präsentieren Berechnungen der TU Graz.

Alarmierende Zahlen zur Luftverschmutzung in Salzburg präsentierten Umweltreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler und Stadtrat Johann Padutsch am Freitag, den 9. Mai. Land und Stadt hatten die TU Graz beauftragt, die räumliche Ausbreitung von Stickstoffdioxid im Zentralraum Salzburg zu berechnen.

Die Ergebnisse sind erschreckend: 15 Prozent der Menschen in der Stadt Salzburg sind von Luftverschmutzung derart betroffen, dass ihre Gesundheit laut EU-Grenzwert gefährdet ist. Nach österreichischem Grenzwert wären es sogar 40 Prozent. 

"Es wäre unzumutbar, tatenlos zu bleiben", kommentiert die GRÜNE Umweltreferentin Astrid Rössler die Studien-Ergebnisse. "Wir haben sogar den gesetzlichen Auftrag zum Handeln", ergänzt Stadtrat Johann Padutsch.

Hauptverursacher der bodennahen Stickstoffdioxidbelastung ist der Straßenverkehr, genauer gesagt der Diesel-Pkw. ​Industrieanlagen sind zwar auch relevante Schadstoffquellen, tragen aber durch ihre hohen Schornsteine und der sich daraus ergebenden Verdünnung der Schadstoffe nur zu einem geringen Teil zur Belastung bei. Lkws weisen zwar wesentlich höhere Emissionen pro Fahrzeug auf als Pkws, besonders innerstädtisch sind aber Diesel-Pkws Hauptverursacher von Stickstoffoxiden. An Straßen mit einem hohen Lkw-Anteil (z.B. Vogelweiderstraße, Münchner Bundesstraße) leistet aber auch der Lkw-Verkehr einen erheblichen Beitrag zur Stickstoffoxid-Belastung.

Im Raum Salzburg finden sich sehr unterschiedliche Immissionsniveaus von Stickstoffdioxid. Niedrige Belastungen treten in Gebieten fern des Stadtzentrums auf. Besonders geringe Konzentrationen gibt es in Höhenlagen wie am Haunsberg oder im Bereich der Salzburger Stadtberge. Es folgt ein etwa bis zum Grenzwert belasteter Bereich vor allem in dicht besiedelten Gebieten rund um die Innenstadt. Hoch belastete Zonen liegen direkt an stark befahrenen Straßen sowie an Autobahnen. Hier wird der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid deutlich überschritten.

Bei den Berechnungen der TU Graz, die gemeinsam mit Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Peter Sturm von der TU Graz und Hofrat Dipl.-Ing. Dr. Othmar Glaeser, Leiter der Umweltschutzabteilung des Landes, vorgestellt wurden, erfolgte eine Unterteilung in die drei Gebiete Salzburg – Golling, Salzburg – Eugendorf sowie Stadt Salzburg. Die Schadstoffbelastung wurde auf jeweils 10 x 10 Meter genau (in der Stadt 5 x 5 Meter) modelliert und in Ausbreitungskarten übertragen. 

LANGFRISTIGER TREND VON STICKSTOFFDIOXID

Die Belastung mit Stickstoffdioxid liegt an verkehrsnahen Standorten in Salzburg seit Jahren auf einem hohen Niveau. Wie die Messungen der vergangenen Jahre zeigten, haben die Konzentrationen – und auch die Emissionen – nicht in dem Ausmaß abgenommen wie es die Abgasgesetzgebung (EURO Klassen) ursprünglich erwarten ließ. Als Ursache dafür gelten:

  • Die NOX-Emissionen von Dieselfahrzeugen im Realbetrieb sind deutlich höher, als die Abgasgesetzgebung ursprünglich erwarten ließ.
  • Der verstärkte Einsatz von Dieselpartikelfiltern bei Dieselfahrzeugen bringt zwar eine deutliche Reduzierung des Feinstaubausstoßes, erhöht aber andererseits die Menge an direkt ausgestoßenem Stickstoffdioxid.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass der Anteil der Diesel-Pkw am Gesamtbestand seit 1990 ständig zunimmt und bereits deutlich mehr als 50 Prozent beträgt. Die Zunahme der Fahrleistung der Dieselfahrzeuge von 1990 bis 2009 betrug rund 300 Prozent (Quelle: Österreichische Luftschadstoffinventur 2010).

EIN KLARER AUFTRAG FÜR MASSNAHMEN

Um den Jahresgrenzwert der EU-Richtlinie am Salzburger Rudolfsplatz einhalten zu können, müsste das durchschnittliche Verkehrsaufkommen auf jenes vom Sonntag gesenkt werden. Dazu bräuchte es ein Drittel weniger Autofahrten in der Stadt.

"Es ist wichtig, gute Datengrundlagen zu haben, um die erforderlichen Maßnahmen und Förderungen möglichst effizient gestalten zu können", so Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Astrid Rössler.

Aus den Daten geht eindeutig hervor, dass das Problem der Schadstoffbelastung mit Stickoxid in Teilen des Zentralraumes flächig ist. "Die Ausbreitungskarten erlauben eine klare Beschreibung von Ursachen. Dort, wo die Grenzwerte überschritten sind, ist das ein klarer Auftrag, für den Gesundheitsschutz etwas zu tun. Was den Pkw- und Lkw-Verkehr im Ballungsraum betrifft zeigt sich deutlich: es reicht nicht zu hoffen, dass die Autos technisch verbessert werden, um dieses Problem in den Griff zu bekommen", so Rössler.

Zusätzlich zum evidenten Handlungsbedarf aus Gründen des Gesundheitsschutzes gilt es auch aus rechtlichen Gründen zu handeln. "Derzeit können wir beim Jahresmittelwert nicht einmal den höheren EU-Grenzwert einhalten." Zudem gibt es einen Antrag des Ökobüros, in dem die Erlassung geeigneter Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung der Immissionsgrenzwerte für NO2 im Land Salzburg gefordert wird.

Belastete Flächen in Salzburg in der Tabelle und als Karten >

Zur Situation in der Stadt Salzburg >

Maßnahmen im Luftreinhalteprogramm

Das Land hat ein ganzes Bündel an Maßnahmen im Luftreinhalteprogramm zusammengefasst:

  • Tempo 80 Probebetrieb auf der Westautobahn im Stadtgebiet von Salzburg (mehr als 90.000 Fahrzeuge pro Tag).
  • Förderung von Jahreskarten des Salzburger Verkehrsverbundes (20 Prozent des Preises).
  • Das Förderprogramm KLUP (Klima- und Umweltpakt) unterstützt Projekte zur verstärkten An-wendung neuer Technologien: Die Palette reicht dabei von der Fernwärmeoffensive über E-Mobilität, thermische Sanierung, Mobilitätsmanagement in den Gemeinden bis zur Beleuchtungsumstellung auf LED.

Aber auch die künftige Planung und Neuausweisung von Siedlungsgebieten hat einen großen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten und damit auf die Emissionen von Luftschadstoffen. "Die Zersiedelung hat einen hohen Preis. Wir müssen die künftige Baulandentwicklung verstärkt am Öffentlichen Verkehr orientieren", so Rössler.

Infos zu Ausgangslage, Berechnungsmethode, fachlichen Grundlagen, Ermittlung der Emissionen, räumliche und zeitliche Verteilung der Emissionen, Ermittlung der Ausbreitungsbedingungen (Meteorologie) und Überprüfung der Rechenergebnisse >

Karten zeigen „dicke Luft" (Land Salzburg)

Statements von LH-Stv. Astrid Rössler, Stadtrat Johann Padutsch, Peter Sturm (Technische Universität Graz). Land und Stadt Salzburg haben die Technische Universität Graz beauftragt, die räumliche Ausbreitung von …

Video auf Youtube
Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.