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am 11. Juni 2014

FUSSBALL-WM in Brasilien: Zwischen Begeisterung, Wut und Enttäuschung

GRÜNE Salzburg - Sportlandesrätin Martina Berthold über die Probleme der Fußball-WM in Brasilien, eine zunehmend dubioser agierende FIFA und welchen Teams sie persönlich die Daumen drückt

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist aus verschiedenen Gründen umstritten. Muss ich als Fußball-Fan ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich die WM genieße?

Nein.Bei dieser Fußball-WM der Männer treffen die besten Teams der Welt aufeinander. Da wird sicher toller Fußball geboten, der Fans begeistert. Auch ich genieße Spiele, bei denen Technik und Leidenschaft im Mittelpunkt stehen. Dennoch dürfen uns die negativen Begleitumstände der WM nicht kalt lassen. 

Wie lautet deine konkrete Kritik an der Fußball-WM?

Der Preis, den das brasilianische Volk für diesen Event zahlt, ist in jeder Hinsicht zu hoch. 170.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt. Enorme Summen flossen in den Bau 12 sündteurer Stadien, für die es großteils keine Nachnutzung gibt. Rund um die WM herrschen Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Die WM kostet insgesamt unglaubliche 6,1 Milliarden Euro. Doch während 80 Prozent dieser Kosten die Brasilianerinnen und Brasilianer mit ihren Steuern bezahlen, wandern die Gewinne dieser teuersten WM aller Zeiten vor allem in die Taschen der FIFA und internationaler Baufirmen. Es ist absolut verständlich, dass die Menschen in Brasilien enttäuscht und wütend sind und das in Protesten ausdrücken. 

2022 lässt Ähnliches befürchten. Ist der Fußball noch zu retten?

Die aktuellen Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 in Katar lassen die Entscheidungen und Machenschaften der FIFA tatsächlich immer dubioser erscheinen. Es ist höchste Zeit, dass die FIFA sich wieder an ihre eigentliche Mission erinnert, nämlich: den Fussball zu verbessern und weltweit zu verbreiten. Hier müssen vor allem völkerverbindende, erzieherische, kulturelle und humanitäre Aspekte berücksichtigt werden. Gleichzeitig muss die FIFA endlich auch den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit von sportlichen Großveranstaltungen stärker im Blick haben!

Wirst du dir die WM selber anschauen? Und wenn ja, für welches Team drückst du die Daumen?

Natürlich sehe ich mir die Spiele an! Persönlich drücke ich immer gerne Außenseitern die Daumen, weil gerade bei einer WM gewaltige Stimmung aufkommt, wenn Nationen Siege einfahren, mit denen niemand gerechnet hat. An das Kamerun-Fieber bei der WM 1990 kann ich mich noch erinnern: Kamerun hat ja damals Argentinien sensationell geschlagen und ist als erstes afrikanisches Land ins Viertelfinale gekommen. Besonders der Tanz von Roger Millas an der Eckfahne war echt berührend.

Das Interview führte Anna Schiester. 

LINKS:

"Diese WM ist bereits gescheitert" (Süddeutsche Zeitung)

Die FIFA und die Gier (Der Standard)

​Abpfeifen! Jetzt! (Zeit Online)

GRÜNE Forderungen zur Vergabe von sportlichen Großveranstaltungen

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