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am 2. Juni 2014

Mehr Sport in der schulischen Nachmittagsbetreuung

Martina Berthold - Buntes Sportangebot als wichtiger gesundheitspolitischer Impuls.

Seit dem Schuljahr 2012/13 gibt es an Salzburgs Volksschulen das Projekt "Sport in der Nachmittagsbetreuung", mit dem Salzburg eine Vorreiterrolle bei den österreichweiten Bemühungen in der Umsetzung der täglichen Sport- und Bewegungseinheit einnimmt. Dieses Angebot wird nun weiter ausgebaut.

Sport- und Jugendreferentin Landesrätin Mag. Martina Berthold sieht darin einen wichtigen Impuls, sowohl aus gesundheitlicher als auch aus sozialer Sicht. "Unser Ziel ist, Schulkindern Freude am gemeinsamen Sporteln zu vermitteln. Im Vordergrund steht daher die Lust an der Bewegung und nicht der Wettkampfgedanke. Damit wollen wir alle Kinder erreichen, auch jene, die bisher zu wenig zur Bewegung motiviert worden sind", so Berthold heute, Montag, 2. Juni, in der Volksschule Oberalm bei der Präsentation der Ausweitung des Sportangebots in der schulischen Tagesbetreuung.

2012 wurde mit 20 Gruppen gestartet, im laufenden Schuljahr konnte bereits auf 30 Schulen und somit Gruppen aufgestockt werden. Derzeit gibt es im Bundesland rund 100 Gruppen mit schulischer Tagesbetreuung. Landesrätin Berthold treibt den weiteren Ausbau trotz knapper Finanzen voran: "Mir ist die Erweiterung des Projektes ein wichtiges Anliegen, da wir hier Kinder und Jugendliche erreichen, denen wir sonst nur sehr schwer ein breites sportliches Angebot zugänglich machen könnten. Daher werden wir im kommenden Schuljahr das Budget aufstocken und bis zu 40 Gruppen fördern können."

Sportliches Interesse der Kinder wecken

Landesschulinspektorin Dipl.-Päd. Mag. Dr. Birgit Heinrich sieht in dem Projekt eine wichtige Ergänzung im Alltag der schulischen Tagesbetreuung: "Es geht dabei um Zugang und Grundlegung von sportlichen Interessen bei Kindern zu einem wichtigen Entwicklungszeitpunkt und die qualitative Weiterentwicklung des Konzepts der schulischen Tagesbetreuung im Bereich der sportlichen Angebote. Durch die Initiative 'Sport in der schulischen Tagesbetreuung' können 30 Schulstandorte mit schulischer Tagesbetreuung mit einem zusätzlichen sportlich vielseitigen Angebot im Freizeitteil mit dem Ausmaß von zwei zusätzlichen Stunden an je zwei Tagen versorgt werden", erklärte die Landesschulinspektorin bei dem Informationsgespräch.

Organisatorisch wird das Projekt gut begleitet: Die Standorte, Gemeinden und die personellen Ressourcen werden vom Projektteam ausgewählt und zugeteilt. Zu Beginn eines jeden Schuljahres gibt es eine gemeinsame Informationsveranstaltung für alle Direktorinnen und Direktoren sowie die Verantwortlichen der Nachmittagsbetreuung. Dabei können die ersten Kontakte mit den neuen Sportbetreuerinnen und -betreuern geknüpft werden. "Um die Wirksamkeit auf die körperliche Entwicklung und auch die Einstellung der Kinder durch diese Maßnahme feststellen zu können, wurde die Pilotphase durch eine wissenschaftliche Studie des Instituts für Sportwissenschaften begleitet. Die Ergebnisse werden für die Weiterführung und Ausweitung des Angebotes wirksam eingebaut", so Heinrich weiter. In diesem Schuljahr wurde das Projekt von Isabella Grössinger und Karin Hofbauer wissenschaftlich begleitet. Die beiden haben selber als Sportbetreuerinnen Praxis in den Gruppen gesammelt und in ihrer Diplomarbeit analysiert, wie das Projekt qualitativ weiterentwickelt werden kann. Sie haben auch eine Reihe von Stundenbildern entwickelt, die auch anderen Sportbetreuerinnen und -betreuern zugänglich gemacht werden sollen.

Idealismus weiterhin Erfolgsmotor

Erfreut zeigte sich auch der Projektkoordinator des Landessportbüros, Mag. Walter Dungl, über die Erhöhung der Gruppenanzahl: "Pro Gruppe investieren wir bis zu 1.900 Euro pro Schuljahr. Eine Ausweitung des Projektes hängt aber nicht nur von den finanziellen Ressourcen ab, sondern auch von den personellen und infrastrukturellen. Wichtig ist, dass das Projekt kontinuierlich wächst und sich so auch laufend qualitativ weiterentwickeln kann." Die Suche nach neuen geeigneten Sportbetreuerinnen und -betreuern gestaltet sich nicht immer einfach. Da die Einsatzzeiten stark auf einen engen Zeitraum konzentriert sind, können pro Person de facto maximal zwei Gruppen pro Woche betreut werden. Dabei haben sich mehrere Gruppen von Betreuungspersonen herauskristallisiert:

  • Studierende in höheren Semestern: Diese haben in ihrer Ausbildung gute Praxismöglichkeiten mit Zusatzverdienst.
  • Volks- und Hauptschullehrer/innen: In Ergänzung zu ihren Aufgaben in der Schule sind diese bereits am Standort, was zeitökonomisch ist.
  • Professionelle Sportbetreuer/innen: Für diese ist der frühe Nachmittag teilweise eine weniger ausgelastete Zeit. Die eingesetzten Personen dieser Gruppe zeichnen sich aber auch durch ein hohes Maß an Idealismus aus.
  • Vereinstrainer/innen: Dies ist eine kleine Gruppe, da sich die Kombination aus Beruf, abendlichen Vereinstrainings und Nachmittagsbetreuung oft zeitlich nicht ausgeht.

Landesrätin Berthold zieht daraus folgenden Schluss: "Die sogenannte tägliche Turnstunde, deren Umsetzung der Nationalrat eigentlich schon Ende 2012 beschlossen hat, wird mit ehrenamtlichen Vereinstrainerinnen und -trainern nur zum Teil umzusetzen sein. Das Ziel muss es sein, hier vollwertige Arbeitsplätze anzubieten, die zum Beispiel in ganztägig verschränkten Schulformen angeboten werden könnten." Mit dem Berufsbild des/der Freizeitpädagogen/in gibt es in diese Richtung schon eine Ausbildung. Die sportfachliche Qualifikation sollte aber durch Zusatzausbildungen, etwa über die Dach- und Fachverbände bzw. die Bundessportakademie, noch intensiviert werden.

Die Finanzierung des Projektes läuft über die Sportgelder des Landes Salzburgs und gewährleistet eine sportfachliche Betreuung im Ausmaß von zwei Wochenstunden in der schulischen Nachmittagsbetreuung über das ganze Schuljahr hinweg. Die 30 Standorte sind aliquot nach der Anzahl der im Bezirk vorhandenen Nachmittagsbetreuungsgruppen aufgeteilt:

  • Stadt Salzburg (15 Schulen)
  • Flachgau (sieben Schulen in Ebenau, Eugendorf, Nußdorf, Neumarkt, St. Gilgen, Straßwalchen, Wals)
  • Tennengau (vier Schulen in Hallein, Oberalm und Kuchl)
  • Pongau (zwei Schulen in Bad Hofgastein und St. Johann (SPZ))
  • Pinzgau (zwei Schulen in Zell am See und Saalfelden)
  • Lungau (kein Ansuchen gestellt, nur ein Standort mit schulischer Nachmittagsbetreuung)

Pionierarbeit für die tägliche Bewegungseinheit

Mag. Robert Tschaut, Fachinspektor für Bewegung und Sport beim Landesschulrat, sieht Salzburg als Vorreiter für die bundesweite Forderung nach einer täglichen Bewegungseinheit: "In Österreich leisten wir auf diesem Gebiet Pionierarbeit. Nach der vor Kurzem erfolgten Ausarbeitung von Bildungsstandards für Bewegung und Sport stellt dieses Projekt einen wichtigen Beitrag neben dem Unterrichtsfach Bewegung und Sport sowie den außerschulischen Bewegungsfeldern in Vereinen, Verbänden und den Familien dar." Robert Tschaut sieht auch eine vermehrte Nachfrage von Sonderpädagogischen Zentren (SPZ) für eine Teilnahme an diesem Projekt. Derzeit gibt es eine Gruppe im SPZ St. Johann, die in den Genuss dieser Förderung kommt.

Meldeschluss für Gemeinden am 16. Juni

Landesrätin Berthold hob die gute Zusammenarbeit zwischen dem Sportbüro und dem Landesschulrat hervor, die es nicht nur in diesem Bereich, sondern auch schon wesentlich länger etwa bei der Aktion "Schule und Sport" gibt. Besonders zeigte sie sich darüber erfreut, dass das Projekt so positiv angenommen wird. Die Teilnahme am Projekt im kommenden Schuljahr ist bereits ausgeschrieben und der Rücklauf groß. Meldeschluss für die Gemeinden ist am Montag, 16. Juni.

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