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am 16. Mai 2014

Barrierefreiheit in Museen und Kultureinrichtungen

Heinrich Schellhorn - Schellhorn: Von Barrierefreiheit als universellem Design profitieren alle Besucher/innen

 "Barrierefreiheit" in Museen umzusetzen ist ein Prozess – damit jetzt fortzufahren ist wichtig. Dieser Antrag wird von Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn bei der Kulturreferentenkonferenz, die heute, am 15. und morgen, 16. Mai in Wien stattfindet, eingebracht.

Die Bundesländer als Museumsbetreiber müssen überlegen, welche Maßnahmen kurzfristig, mittelfristig und nur längerfristig realisierbar sind. Barrierefreie Museen und deren Ausstellungskonzepte kommen allen Museumsbesucherinnen und -besuchern zugute. Der barrierefreie Zugang zu Kultur ist ein wichtiger Teilaspekt der Inklusion.

"Es ist mir in meiner Funktion als Kultur- und Soziallandesrat ein besonderes Anliegen die Gemeinsamkeiten meiner Bereiche hervorzuheben. Barrierefreiheit in Museen ist dabei eine positive Verschmelzung. Dieses Thema heute auch auf Bundesebene zu diskutieren und vor allem das Bewusstsein auf umfassende Barrierefreiheit zu schärfen, ist mir sehr wichtig", so Schellhorn.

Schellhorn: Ein gesetzlicher und menschenrechtlicher Auftrag

Menschen mit Behinderungen treffen im Museum auf vielfältige Barrieren:

- Die Lesbarkeit von Texten, sei es akustisch, sprachlich oder aufgrund der Größe und Farbe.

- Die Erreichbarkeit, wenn kein barrierefreier Eingang gegeben ist.

- Die Inhaltsvermittlung, weil es für Menschen mit Behinderungen oftmals keine eigene Erzählweise gibt.

Gleichzeitig werden Menschen mit Behinderungen zunehmend als wichtige Zielgruppe im Bildungs- und Kulturbereich erkannt, ihre Bedürfnisse und Wünsche an Museen immer mehr gehört und berücksichtigt. Bei den Betroffenen werden generell vier Gruppen unterschieden:

- Mobilitätsbeeinträchtigte Menschen (Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen, Krücken etc.)

- Hörbeeinträchtigte/Gehörlose Menschen

- Sehbeeinträchtigte/Blinde Menschen

- Menschen mit Lernbehinderung

"Es geht nicht nur um eine wichtige Museums-Zielgruppe, es geht um einen gesetzlichen und menschenrechtlichen Auftrag. Es geht auch nicht nur um den klassischen Rollstuhlfahrer, es geht bei Barrierefreiheit letztlich um ein universelles Design, das niemanden mehr ausschließt und die Qualität des Museumsbesuchs für alle Besucherinnen und Besucher verbessert", so Kultur- und Sozialreferent Schellhorn.

Zwei gesetzliche Verpflichtungen

Es gibt zwei gesetzliche Verpflichtungen zum Thema Barrierefreiheit (Inklusion). Die UN-Behindertenrechtskonvention ist in Österreich durch Gesetze und Vorschriften umzusetzen. Das seit 1. Jänner 2006 geltende Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) hat das Ziel, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang zu öffentlich verfügbaren Dienstleistungen zu ermöglichen. Die Anforderungen der Grundlagen für barrierefreies Bauen sind in eigenen ÖNORMEN definiert und zusammengefasst. Da es in vielen Bereichen nicht möglich ist, gleichsam über Nacht alles umzugestalten, gibt es für bauliche Barrieren noch bis zum 31. Dezember 2015 Übergangsbestimmungen. Danach gibt es keine "Zumutbarkeitsgrenzen" mehr.

Alle profitieren

Während man früher von der "behindertengerechten" Ausführung eines Produktes oder einer Dienstleistung sprach, oder damit die Zugänglichkeit der bebauten Infrastruktur meinte, so ist es heute üblich, generell von Barrierefreiheit als einem universellen Design zu sprechen. Produkte, Umfelder, Programme, Dienstleistungen, aber auch Hilfsmittel müssen so gestaltet sein, dass sie möglichst alle Menschen, notfalls mit nur wenigen Anpassungen, benutzen können.

Menschen mit und ohne Behinderung profitieren von barrierefreier Gestaltung: Schwer zu öffnende Türen, klein gedruckte Texte, schlecht ausgeleuchtete Räume, fehlende Orientierungshilfen und mangelnde Sitzgelegenheiten sind allgemeine Hemmnisse.

Ohne fremde Hilfe

Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, aber etwa auch technische Gebrauchsgegenstände und Systeme der Informationsverarbeitung, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. Durch überlegtes Planen und Bauen lassen sich künstliche Barrieren zu einem beachtlichen Teil vermeiden. Die Lebensräume werden damit nicht nur für Menschen mit Behinderungen sondern für alle nutzbarer gemacht und die Chancen benachteiligter Personengruppen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben damit nachhaltig verbessert. Das sind Schritte zum allgemein angestrebten Ziel der Inklusion.

"Ich hoffe, meine Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern teilen diese Meinung und wir können gemeinsam dazu beitragen, Barrierefreiheit als Querschnittsmaterie zu betrachten und mitzudenken. Inklusion ist nicht ein Anliegen des Sozialressorts – die Verantwortung dafür muss ressortübergreifend wahrgenommen werden. Die Förderung, Finanzierung und Umsetzung sind auch Aufgabe der öffentlichen Hand", so Schellhorn abschließend. 

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