gruene.at
Navigation:
am 9. März 2015

Wie viele Wohnplätze für Senioren braucht Salzburg im Jahr 2025?

GRÜNE Salzburg - Sozial-Landesrat Heinrich Schellhorn präsentierte die Ergebnisse der Bedarfsplanung für Seniorinnen- und Seniorenwohnhäuser des Landes Salzburg

Der Bedarf an dauernd verfügbaren Plätzen, das heißt ohne Kurzzeitpflegeplätze, in Seniorinnen- und Senioren-Wohnhäusern wird im Jahr 2025 bei 5.603 liegen. Als offener, derzeit nicht gedeckter zusätzlicher Bedarf wurden 410 zusätzliche Plätze errechnet.

Das ist das primäre Ergebnis der Auswertung der Daten für die Planung des Bedarfs an Seniorinnen- und Senioren-Wohnhausplätzen bis zum Jahr 2025, das Sozialreferent Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn heute, Freitag, 6. März, bei einem Informationsgespräch in Salzburg präsentierte. Die Planung wurde in der Sozialabteilung des Landes erarbeitet. Als Datengrundlagen dafür dienten vor allem die Bevölkerungsprognosen der Landesstatistik, die Daten über Pflegegeldbezieherinnen und -bezieher vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger und die Daten der Sozialabteilung des Landes.

Insgesamt maximal 5.603 Plätze, offener Bedarf 410 Plätze

Aktuell gibt es im Land Salzburg 5.175 Plätze in Seniorinnen- und Senioren-Wohnhäusern. Mit den bereits konkret absehbaren Neu-, Aus- und Rückbauten (Stadt Salzburg) von Wohnhäusern wird sich die Zahl der dauernd verfügbaren Plätze auf voraussichtlich 5.193 im Jahr 2025 erhöhen. Die Differenz auf den errechneten Bedarf von 5.603 Plätzen ergibt den offenen Bedarf von 410 dauernd verfügbaren Plätzen.

Starke Zunahme der Generation 60plus und der über 85-Jährigen

Die Anzahl an Personen der 60plus-Generation, das sind die Babyboomer der 1950er- und 1960er-Jahre, und die der über 85-Jährigen werden in den nächsten zehn Jahren rasant steigen. Im Jahr 2025 werden laut Statistik im Land Salzburg 15.819 Menschen, die älter als 85 Jahre sind, leben. Im Jahr 2013 (Datengrundlage) waren es 11.587. Das ist eine Zunahme um 4.232 Menschen oder 36,5 Prozent. Die Gruppe 60plus wird insgesamt um 29 Prozent größer werden.

Stationärer Bedarf steigt viel langsamer als Alterung

Das Ansteigen der Zahl der über 85-Jährigen ist für hohen stationären Pflegebedarf besonders relevant. Derzeit entfällt auf 2,24 über 85-Jährige ein Platz in einem Seniorinnen- und Senioren-Wohnhaus. Allein aus dem Plus von 4.232 über 85-Jährigen bis 2025 würde sich also bei linearer Fortschreibung ein zusätzlicher Bedarf von 1.889 Plätzen ergeben. Dass es nur rund 410 sind, liegt hauptsächlich an der längeren Gesundheit und Fitness, dem Ausbau der ambulanten Dienste, der legalisierten 24-Stunden-Betreuung, der langsam zunehmenden Barrierefreiheit in öffentlichen und privaten Räumen.

17 Planungsregionen mit sehr unterschiedlichem Bedarf 2025

Für die Bedarfsplanung wurde das Land in 17 Planungsregionen unterteilt. In diesen Planungsregionen ist auch eine interkommunale Zusammenarbeit grundsätzlich sinnvoll oder bereits gegeben. Der jeweilige Bedarf in den Planungsregionen zeigt ein sehr unterschiedliches Bild. Der jeweils offene Bedarf ist insbesondere vom Bevölkerungswachstum und der bisherigen Versorgungsdichte beeinflusst. Für fünf Planungsregionen weist die Prognose einen sinkenden Bedarf auf, am deutlichsten in der Stadt Salzburg mit einem Minus von 47 Plätzen. Weiters: Flachgau Nord (plus 50 Plätze), Salzburger Seenland (plus 72 Plätze), Salzburger Umgebungsgemeinden (plus 65 Plätze), Osterhorngruppe (plus 13 Plätze), Salzach-Tennengau (plus vier Plätze), Abtenauer Becken (minus 19 Plätze), Unterer Salzach-Pongau (plus 31 Plätze), Enns-Pongau (plus 63 Plätze), Oberer Salzach-Pongau (plus 94 Plätze), Gasteinertal (plus 30 Plätze), Lungau (plus 35 Plätze), Unteres Saalachtal (minus 15 Plätze), Oberes Saalachtal (minus vier Plätze), Oberpinzgau (plus 52 Plätze), Zeller Becken (minus 19 Plätze), Unterpinzgau (plus fünf Plätze).

Prognosesicherheit von Veränderungen abhängig

Der Blick in die Zukunft ist nie ohne Risiken. Sozialpolitische Veränderungen oder etwa Veränderungen in der Verfügbarkeit von Kräften für die private 24-Stunden-Betreuung können den errechneten Bedarf verändern. Eine Grundlage für die Bedarfsplanung ist auch eine konsequente Aufnahmepolitik. Die Praxis wird sich mehr als bisher daran orientieren müssen, dass Menschen erst ab Pflegestufe 3 in Seniorinnen- und Senioren-Wohnhäusern aufgenommen werden.

Richtlinie und Orientierung für Land und Gemeinden

Den Bedarfsplan 2025 definierte Sozialreferent Schellhorn als wichtigen Orientierungsrahmen für Notwendigkeiten in der Pflege von Seniorinnen und Senioren und für Ausbauwünsche in den Gemeinden. Schellhorn: "Die Bedarfsplanung definiert Obergrenzen. Darüber hinausgehende Wünsche werden vom Land nicht befürwortet. Das Land wird seine Steuerungsmöglichkeiten mit Geldern aus der Wohnbauförderung und dem Gemeindeausgleichsfonds GAF einsetzen."

Stationär oder ambulant: Gratis ist länger leben nicht!

"Wir werden älter und bleiben länger fit. Wir haben mit der Bedarfsplanung Zahlen, die auf einer transparenten, seriösen und breiten Datenbasis erstellt wurde", verwies Schellhorn auf die positive Entwicklung und bedankte sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Sozialabteilung. Schellhorn wendet sich entschieden gegen Panikmache wegen einer angeblich drohenden dramatischen Überalterung: "Das ist vor allem einmal eine gute Nachricht. Wir werden uns das auch leisten können. Aber ganz gratis ist die Entwicklung nicht. Auch bei sehr guten und effizienten Lösungen kommen zusätzliche Kosten auf jede Einzelne und jeden Einzelnen, auf die Gesellschaft und die Sozialbudgets zu. Das muss uns bewusst sein."

Bedarf an Pflegekräften wird steigen

Ob mit stationärer oder ambulanter Pflege, der Bedarf an den dafür nötigen Pflegekräften wird größer werden: Von 2003 auf 2013 sind die Pflegekräfte in den Seniorinnen- und Senioren-Wohnhäusern in Salzburg von 1.381 Vollzeitäquivalenten auf 2.044 gestiegen. Das ist vor allem auf den gestiegenen Pflegebedarf zurückzuführen. Die durchschnittliche Pflegegeldstufe in den Salzburger Seniorinnen- und Senioren-Wohnhäusern stieg von 2,97 im Jahr 2003 auf 3,85 im Jahr 2013. Die Zunahme des Personals in der stationären Pflege war trotz des starken Ausbaus der ambulanten sozialen Dienste und der 24-Stunden-Betreuung im selben Zeitraum notwendig. Schellhorn: "Die Sicherung des steigenden Bedarfs an Pflegekräften wird neben dem Finanziellen die größte Herausforderung sein."

Klare Prioritäten ohne Dogmatismus

Im vorliegenden Bedarfsplan sind die vielfältigen Anstrengungen für ein möglichst langes selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden, der Trend zu längerer Gesundheit und Fitness sowie mehr Barrierefreiheit im privaten wie im öffentlichen Raum enthalten. Deshalb steigt der prognostizierte stationäre Bedarf auch viel langsamer als die Alterung.

Für Landesrat Schellhorn sind das eindeutige Prioritäten: "Wir wissen, dass die Menschen überwiegend in den eigenen vier Wänden alt werden wollen, und wir bieten dafür so viel Unterstützung wie möglich an. Schon jetzt werden mehr Menschen mit Hilfe des Landes ambulant betreut, als es Bewohnerinnen und Bewohner in den Seniorinnen- und Senioren-Wohnhäusern gibt. Diesen Weg gehen wir weiter. Einen Bedarf an stationärer Pflege wird es trotzdem weiter geben, und wir werden darauf reagieren."

Der Bedarfsplan 2025 ist auf der Landeswebsite unter www.salzburg.gv.at/bep2025.pdf zu finden. 

Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.