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am 20. Februar 2015

Neue, große Einkaufsflächen kosten mehr Arbeitsplätze als sie bringen

Josef Scheinast - „Kleine“ beschäftigen auf gleicher Fläche doppelt so viele ArbeitnehmerInnen wie „Große“ – LAbg. Scheinast (Grüne Wirtschaft) für „verantwortungsvolles Wirtschaften jenseits der Geiz-ist-geil-Mentalität“

Die aktuell heiß diskutierte CIMA-Studie hat eindrucksvoll belegt, welch zum Teil zerstörerische Wirkung Salzburgs massiver Verkaufsflächenzuwachs auf die Ortszentren hat. Für Josef Scheinast, den Landessprecher der GRÜNEN Wirtschaft Salzburg, ist die Studie aber auch im Hinblick auf die im kleinstrukturierten Einzelhandel beschäftigten ArbeitnehmerInnen „ein Alarmsignal, das wir ernst nehmen müssen“. Denn auch das würden die CIMA-Daten belegen: „Der Verdrängungswettbewerb der Großen ruiniert nicht nur die Fachgeschäfte in den Orts- und Stadtkernen, sondern vernichtet dort auch die Arbeitsplätze. Weil aber der kleinstrukturierte Handel deutlich mehr Beschäftigte auf gleicher Fläche benötigt als das große Einkaufszentrum, führt die Kannibalisierung zu einem überproportional höheren Wegfall an Arbeitsplätzen“, erklärt Scheinast.

Verschiedene Studien belegen, dass der kleinstrukturierte Handel auf derselben Fläche mindestens doppelt so viele ArbeitnehmerInnen beschäftigt wie großflächige Handelsbetriebsformen. Entsprechend folgenreich ist das Wachstum der „Großen“ auf Kosten der „Kleinen“ für deren Mitarbeiter. So kam CIMA in einer Untersuchung zu Salzburgs Handelsstruktur bereits vor zehn Jahren zu dem Ergebnis, dass eine Verringerung der Fachgeschäfte zu Arbeitsplatzverlust führt: „Jeder Wegfall eines Einzelhandelsfachgeschäftes führt zu einem mehr als doppelt so großen Beschäftigungsverlust auf gleicher Fläche, wie durch die großflächigen Anbieter neu geschaffen würde.“

Doch damit nicht genug: „Was in den kleinen Fachgeschäften an Arbeitsplätzen verloren ging, konnte von den Großen nicht wettgemacht werden. Auch das belegen die CIMA-Daten“, so Scheinast. Egal ob Fachmarkt, Discounter oder sonst ein großflächiger Handelsbetrieb – sie alle konnten den Verlust der Arbeitsplätze in den Ortszentren nicht kompensieren. Eine Rückfrage bei den Studienautoren ergab übrigens, dass die damals erhobenen Zahlen nichts an Brisanz eingebüßt haben, sondern aktuell eher „noch deutlicher“ ausfallen würden.

Scheinast legt Wert darauf, dass es bei seiner Kritik am Handelsflächen-Wildwuchs nicht darum geht, den kleinen Geschäften die Konkurrenz vom Leib zu halten. „Wer die Debatte auf diesen Aspekt reduziert, der macht es sich zu einfach“, so der Sprecher der Grünen Wirtschaft und selbst Unternehmer. Es gehe vielmehr um verantwortungsvolles Wirtschaften jenseits der „Geiz-ist-geil“-Mentalität: „Es kann nicht unser vorrangiges Ziel sein, möglichst alles im Großmarkt um die Ecke möglichst billig kaufen zu können. Damit würden wir uns aus der Verantwortung verabschieden, die ein jeder von uns für ein faires und gerechtes Miteinander trägt. Wenn wir wollen, dass in unseren Ortszentren viele Geschäfte vielen Menschen Arbeit und Einkommen geben, dann müssen wir darauf bestehen, dass diese Strukturen durch entsprechende politische Rahmenbedingungen unterstützt werden.“

Für Scheinast ist klar: „Wer angesichts der exorbitant hohen Verkaufsflächenzahl in Salzburg zusätzliche Einkaufszentren auf der grünen Wiese errichtet oder bestehende erweitert, trägt zur Verödung der Ortszentren und – damit verbunden - überproportional hohen Arbeitsplatzverlusten bei.“ Zu beachten ist dabei auch, dass derzeit rund 38.000m2 an Verkaufsflächen mit dem Instrument der Standortverordnung bewilligt sind, aber ungenutzt geblieben sind.

Der von LHStv. Astrid Rössler angekündigte Stopp von Flächenerweiterungen an bestehenden Standorten sei völlig im Sinne der ganz großen Mehrheit der UnternehmerInnen sowie der Beschäftigten in der Region. „Dieser Schritt ist ein wichtiges Signal: Endlich beschäftigt sich die Landesregierung ernsthaft mit der Frage, was geschehen muss, um Orts- und Stadtkerne wieder mit Leben zu erfüllen.“

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