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am 11. Februar 2016

Wintertourismus: Alles im grünen Bereich?

GRÜNE Salzburg - Wintersport trotz Klimawandel: Wie lange noch? Ein Gespräch mit dem GRÜNEN Tourismussprecher LAbg. Josef Scheinast.

Redaktion: Während sich Einheimische und Touristen aufs Skifahren freuen, bricht für die heimische Umwelt die stressigste Zeit des Jahres an. Kann man als umweltbewusster Menschen überhaupt noch mit gutem Gewissen Ski fahren?

Scheinast: Wintersport hinterlässt einen ordentlich dicken CO2-Fußabdruck, so ehrlich muss man sein. Dabei sind das Problem nicht nur die Waldrodungen und der enorme Wasserverbrauch durch die Beschneiung. Auch energiefressende Wellness- und Liftanlagen sowie die Anreise mit dem Auto zum Skiort sorgen für beträchtlichen C02-Ausstoß und tragen so ihren Teil dazu bei, dass in Zukunft die Winter noch wärmer und das Skifahren noch ein Stück unmöglicher wird.

Sie sprechen den Klimawandel an: Fast alle Skigebiete sind inzwischen zumindest zeitweise auf künstliche Pistenbeschneiung angewiesen. Kann das auf Dauer gut gehen?

Klar ist, dass der Klimawandel dem Wintertourismus zunehmend die wichtigste Grundlage entzieht: die Schneesicherheit.Die meisten Skigebiete reagieren darauf mit einer Art Torschlusspanik und setzen auf immer noch mehr Schneekanonen, immer noch gigantischere Liftprojekte und noch mehr Pisten, als könnte man den Klimawandel so stoppen. Es ist jedoch genau diese „höher-schneller-weiter“-Maxime, die unseren Planeten an den Rand des Kollapses gebracht hat.

Tourismussprecher LAbg. Scheinast: „Eine Ökologisierung des Steuersystems und der Wirtschaftsförderung ist dringend notwendig.“

Kann man Wintertourismus überhaupt „grüner“ zu machen?

Was es jedenfalls braucht, sind mehr Maßnahmen zum Klimaschutz: Die Anreise mit Bus und Bahn zum Skiort muss attraktiver werden und der Energieverbrauch gehört massiv eingeschränkt. Gerade die Alpen sind bestens geeignet, um mit umweltfreundlichen Techniken Energie zu erzeugen; trotzdem wird Sonnenenergie in Salzburgs Skigebieten noch viel zu wenig und Windenergie noch gar nicht zur Stromerzeugung herangezogen. Es kann nicht sein, dass es immer mehr Schneekanonen gibt, wenn’s aber um das Aufstellen von Windrädern geht, herrscht das Florianiprinzip. Das Umsatteln auf klimaneutrale Solarlifte und Windrad-Sesselbahnen kann auch einen wertvollen Imagegewinn für eine Skiregion bringen. Um hier ein Umdenken in Gang zu bringen, wäre eine Ökologisierung des Steuersystems und der Wirtschaftsförderung dringend notwendig.

„Sanfter“ Tourismus ist in aller Munde. Aber kann man damit auch Geld verdienen?

Um den Wintertourismus zukunftsfit zu machen, ist eine ordentliche Portion Kreativität gefragt: Es gibt unzählige Möglichkeiten, die Kostbarkeiten unserer Natur und Kultur auch ohne Skifahren zu erleben. Viele Angebote sind naturverträglich, saisonunabhängig und verbinden den Schutz von Natur und regionaler Kultur. Wir sollten beginnen, alternative Angebote selbstbewusst zu bewerben und nicht nur als Verlegenheitslösung zu verkaufen. Auf diese Weise erhalten wir vorhandene Arbeitsplätze und können gleichzeitig neue schaffen, während wir regionale Wirtschaftskreisläufe jenseits des Massenkonsums fördern. 

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